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Die Lüge im Bett
Beim Sex mit Sven hat Nina keine Lust mehr und seine erotischen Spielchen gehen ihr auf den Nerv. Sie flüchtet sich zu ihrer Mutter, um sich mal richtig auszusprechen, aber es bringt sie nicht wirklich weiter. „Man kann nicht alles haben“, sagt sie, „die Männer fürs Leben sind meistens nichts fürs Bett, und die fürs Bett sind meistens nichts fürs Leben. Irgendwann muss man sich entscheiden.“ Nina kann sich nicht entscheiden, denn ihr Lebensunterhalt hängt davon ab. Da kommt ihr ein Zufall zu Hilfe. Sarah, die Kollegin, die sie glühend um ihren Brasilienauftrag beneidet hatte, bekommt kurz vor ihrem Abflug Windpocken und nach einigen redaktionellen Ränkespielen darf Nina einspringen. Doch die Unterlagen der Kollegin für den Dreh sind verschwunden, Nina kann sich nur noch einige Notizen zu brasilianischen Verbindungsmännern machen. Es geht um Jugendliche und Gewalt, um Straßenkinder in Rio, das ist so ziemlich alles, was sie weiß. Ihre Absteige in Rio ist von Kakerlaken bewohnt, Leo, der Kameramann steht mitnichten auf sie, das fünfköpfige Team wartet auf ein Konzept, das sie nun aus der Tasche zaubern soll. Aber sie verweist auf Nic Naumann, den Regisseur, der von Sarah sicherlich in alle Details eingeweiht ist. Er stößt einen Tag später dazu, und es haut Nina um. Nicht nur, wie er aussieht, sondern auch, dass er überhaupt keine Ahnung hat, was eigentlich gedreht werden soll. Sarah hatte ihn in der ganzen Vorbereitungszeit nicht ein einziges Mal angerufen, er war lediglich über einen Dreh in Rio unterrichtet worden, Thema Straßenkinder, und dass sie, Sarah, alle weiteren Vorbereitungen und Vorbekehrungen treffen würde. Im Chaos, das anschließend ausbricht, ist Nic ein zuverlässiger Partner, und auch Leo steht seinen Mann. Bis über beide Ohren verliebt kehrt Nina nach Hause zurück, und jetzt ist es ihr egal. Sie will alles daran setzen, um Nic, der zwar stets sehr herzlich aber zugleich auch immer distanziert ist, für sich zu gewinnen. Als er sie zu Weihnachten zu sich nach München einlädt, sieht sie ihre große Stunde kommen… In Brasilien habe ich für den Hessischen Rundfunk mit zwei wunderbaren Partnern einen Spiel-/Musikfilm gedreht, er hieß „Lambada“ und die Bedingungen waren ähnlich chaotisch wie in meinem Buch. Das Trio, das nächtelang überlegte, wie denn alles zu regeln sei, das über allem Ärger („nix Problema“) aber auch sehr viel Spaß miteinander hatte, waren der Münchner Regisseur Utz Weber, der Kameramann und Produzent Norbert Alexiou aus Frankfurt und ich als Autorin. Auch hier gab es kein Drehbuch, auch hier wurden unsere brasilianischen Partner von einem auf den anderen Tag vertragsbrüchig, weil die Sonne so schön schien, und auch wir lebten wegen des Low Budget in einem ehemaligen Puff mit Kakerlaken als Bettgenossen, und als wir im Umland, mitten im Dschungel drehten, verpassten wir im November 1989 den Fall der Mauer, und wunderten uns nur, welche komischen Geschichten den Schulkindern im letzten Zipfel Brasiliens beigebracht wurden. Es gab keine telefonische Verbindung nah Hause und kein Fernsehen, also hatten wir keine Ahnung. Aber was wir nach diesen gemeinsamen Wochen genau wussten, war, dass wir ein nervenstarkes Team waren, das herrlich improvisieren und jede neue Schwierigkeit gemeinsam irgendwie hinbiegen konnte. Die Geschichte, dass wir bei mir zu Hause Weihnachten um einen Tag vorverlegten, weil Utz nach unserer Heimkehr eine tolle Weihnachtsparty bei sich zu Hause angesagt hatte, stimmt. Der Rest ist Phantasie, aber dafür ist es ja auch ein Roman.
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