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Eine Handvoll Männlichkeit
„Ich heiße Günther“, sagte er. „Bin verheiratet, habe vier Kinder, wollen Sie mit mir ins Bett?“ Ich mußte lachen. Das war ja nicht zu glauben, die Kerle entsprangen aus meinen Romanen und fragen sich im Leben, warum ich so etwas schreibe.
„Aber ich könnte ja einmal eine Ausnahme machen“, antwortete er und hob das Glas. „Was verschafft mir die Ehre?“ wollte ich wissen, er überhörte den ironischen Zungenschlage oder verstand ihn nicht. „Sie gefallen mir eben!“ Das war natürlich ein Argument! Ich unterhielt mich eine Weile mit ihm, anschließend war er wohl in seiner männlichen Ehre gekränkt, was soll’s, er zahlte ziemlich beleidigt, trank ohne ein weiteres Wort sein Bier und ging. „Günther!“ dachte ich und schaute ihm nach. Nichts an ihm, was mich auch nur im entferntesten gereizt hätte. Aber sein selbstverständlicher Anspruch, daß das, was ihm gefällt, ungeachtet der Umstände, für ihn auch zu haben sein müsse. Einer, der mit dickem Bauch am FKK-Strand steht und die Figuren der Frauen kritisiert. Ich bestellte noch ein zweites Pils und bemerkte den Seitenblick eines Mannes, der zwei Barhocker weiter saß. Offensichtlich hatte er gelauscht. „Wir sind nicht alle so“, sagte er, als er meine Aufmerksamkeit wahrnahm. „Wie dann?“ fragte ich. „Im Normalfall hören wir uns das, was Sie da eben gesagt haben, gar nicht erst an!“ Günther war geboren. Und mit ihm nicht nur der Sechzigjährige, der sich eine junge Frau ausguckt und unbedingt dann auch gerade diese eine haben will, um sein männliches Ego zu befriedigen, sondern auch noch gleich der, der seine lang angetraute Ehefrau, die dreißig Jahre versucht hat, ihrem „Günther“ alles recht zu machen, möglichst ohne Hab und Gut aus dieser Ehe entlassen will. In meinem Buch denkt Günther, während er an seinem sechzigsten Geburtstag im Bett liegt und seine Frau aus dem Bad kommen hört: „Ich will sie jetzt nicht anrühren. Ich will sie überhaupt nicht mehr anrühren. Ich bin jetzt sechzig und habe ein Recht auf ein neues, frisches Leben, ich hab mir das verdient!“ Für viele Frauen scheint das Buch ziemlich genau aus ihrer eigenen Biografie geschrieben zu sein, jedenfalls bekam ich viele Briefe von Frauen, die sich nach Meinung ihrer angetrauten Ehemänner auch besser schleunigst in Luft aufgelöst hätten. Ganz traurig stimmte mich der Brief einer noch nicht mal 30jährigen, die nach dem Scheidungstermin mit ihrem Exmann das Gerichtsgebäude verließ. Draußen wartete eine sehr junge Frau auf ihren Ex, und ihre beiden Kinder auf sie. Der Jüngere, damals vierjährig, hatte Gänseblümchen gepflückt und lief damit sofort auf seinen Vater zu. „Papi, Papi“, Papi drehte sich noch nicht einmal um, ließ ihn einfach stehen. Papi schaute mit seiner neuen Freundin nach vorn, das Leben, das hinter ihm lag, ging ihn nichts mehr an. In „Eine Handvoll Männlichkeit“ bekommt Günther stellvertretend für seine gleichgearteten Geschlechtsgenossen sei Fett weg. Günther hat sich dann übrigens als Begriff für solche „Herren“ eingebürgert. Ich hörte immer wieder, wie Frauen „auch so ein Günther…“, sagten, und selbst mein Verleger flüsterte mir bei einem gemeinsamen Bier in einer Bar zu: „Dreh dich mal um, hinter dir sitzen lauter Günthers…“
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